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Paarshooting III

Was ich noch nachtragen wollte, zu dem Gespräch über ‚Paarshooting‘, das ich letztens mit meinen Freunden Usch Schmitz und Kraft Wetzel von „Nirwana Events“ geführt habe:

Um auch aus einer angespannten Situation das optimale Bild zu holen, musst Du die Fähigkeit besitzen, das Talent oder die Erfahrung, positiv auszudrücken, was Du willst – und das in kürzester Zeit.

Denn der Spielraum für ein gutes Bild ist sehr begrenzt: Nach nur wenigen Anweisungen wie ‚Ja, gut, jetzt noch ein bisschen zurück, den Kopf etwas nach links und leicht neigen‘, muss es auch passieren: ‚Jetzt gleich: das letzte! Und nun noch einmal freundlich lächeln!‘ Dann musst Du das Bild im Kasten haben. Wenn der Mensch vor der Kamera erst wieder anfängt, sich zu verkrampfen und fragt: ‚WAS soll ich jetzt machen? Den linken Zeh nach oben biegen??‘, dann ist die Luft raus.

Im Laufe der Jahre sind meine Anweisungen immer präziser geworden. Inzwischen komme ich mit vier bis fünf Ansagen aus, um das optimale Bild rauszuholen.

Da ich seit Jahren Yoga praktiziere, ist mein Blick für Körperhaltungen sehr geschult. Ich erkenne sofort, wenn jemand Schmerzen hat oder eine Sitzhaltung unbequem findet oder Schwierigkeiten hat, eine bestimmte Beugung zu machen. Das muss ich bei meinen Anweisungen natürlich berücksichtigen.

Überhaupt muss ich jede und jeden so nehmen, wie er oder sie bei mir ankommt. Manche Paare sind noch gestresst von der Arbeit, manche haben gerade ihre Kinder aus der Kita geholt, müssen gleich noch den Einkauf erledigen, und sollen nun von Null auf Hundert freundlich in meine Kamera lachen. Dagegen hilft nur eines: Gelassenheit bewahren und Gelassenheit verbreiten.

Natürlich sollte Gelassenheit eine Grundbedingung für jede Fotografin, jeden Fotografen sein, aber man kann sie ja nicht mit einem Fingerschnippen herbeizaubern.

In völlig hektischen Situationen gelassen zu bleiben, habe ich glücklicherweise schon zu Beginn meiner Selbständig gelernt. Jung, abenteuerlustig und wagemutig hatte ich 1992 ja gleich drei Fotostudios auf einmal übernommen: eins in Spandau, eins Neukölln und eins in Steglitz. In den Spitzenzeiten, also Weihnachten, Ostern oder zur Einschulung, ging es Schlag auf Schlag, mehr als 15 – 20 Minuten hatte ich nicht für ein Bild. Von dieser Ãœbung in Schnelligkeit beim Fotografieren profitiere ich noch heute.

Aber nach ein paar Jahren hatte ich keine Lust mehr auf diesen Stress, und 2004 habe ich mir dann mein eigenes Fotostudio in der Laubacher Straße gegönnt.

Inzwischen berechne ich mein Honorar nach Fotos und nicht nach Zeit. So fühle ich mich während eines Fotoshootings nie mehr gehetzt. Und diese Ruhe überträgt sich automatisch auf meine Kunden.

Bei Kindern ist das ganz anders. Kinder lassen nach einer halben Stunde nach. Die müssen sofort rein ins Studio, es muss sofort losgehen, und ich muss blitzschnell den Ãœberraschungseffekt nutzen: „Wie sieht’s denn hier aus? Was ist denn das da? Darf ich hier mal hochklettern, darf ich das mal anfassen?“ Doch das Interesse kann bei Kindern auch rasch wieder nachlassen. Die sind ständig unterwegs, haben den Raum innerhalb kürzester Zeit entdeckt und wissen sehr schnell, was ihnen Spaß macht und was nicht. Und wenn sie etwas nicht wollen, wollen sie nicht. Deshalb musst Du Kindern immer wieder etwas Neues anbieten: ein Spielzeug, ein Stofftier, etwas zum Verkleiden …

Beim ‚Paarshooting‘ braucht man keinen Ãœberraschungseffekt, sondern eher das Gegenteil: viel Zeit. Denn je gelassener die Kunden sind, umso schöner werden die Fotos. Leider ist das nur wenigen Leuten klar. Viele meinen, ich könnte zaubern. Dabei folge ich nur einer Empfehlung, die zwar abgedroschen klingt, sich meiner Erfahrung nach aber bewährt hat: Eine gute Vorbereitung ist alles!

Sich als Paar vor die Kamera einer professionellen Fotografin zu stellen, ist schon eine Herausforderung. Du gehst ja nicht ins Fotostudio und denkst: ‚Ach, irgendwas wird die schon mit mir machen‘, sondern Du weißt, jetzt passiert etwas, was lange halten soll. Deshalb ist Vorbereitung wirklich alles.

Natürlich haben meine Kundinnen und Kunden Anspruch auf ein möglichst ‚perfektes‘ Bild. Doch die Voraussetzung hierfür müssen sie selber mitbringen: so entspannt wie möglich zu mir zu kommen. Denn zaubern kann ich nicht. Von einem Menschen, der direkt aus seinem hektischen Alltag in mein Fotostudio kommt, der Kopfschmerzen hat oder Schnupfen, kann ich kein ‚ungestresstes‘ Bild machen.

Wenn man also ein schönes Bild von sich erwartet, wäre es das Beste, von vorne herein einen Termin zu vereinbaren, der gut in den Wochenablauf passt. Da ich zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten fotografieren kann, ist es für mich kein Problem, mich nach meinen Kunden zu richten. Dann geht man am Abend vor dem Termin nicht zu spät ins Bett und kommt am nächsten Tag nach einem guten Frühstück ausgeschlafen und entspannt zu mir. Schon um dem Tag etwas Besonderes zu geben, sollte man geduscht und schön gekleidet zum Termin kommen. Unsere Empfehlungen für die optimale Vorbereitung auf ein Fotoshooting haben wir in einem Info-Blatt zusammengetragen.

Wer sich an unsere Ratschläge hält, wird mit Fotos belohnt, die auch in fünfzig Jahren noch davon zeugen, wie gut es tut, sich Zeit zu nehmen: Zeit für sich und seine Liebe(n).

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