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Paarshooting I

Meinen Feierabend läute ich immer wieder gerne mit einem kleinen Abstecher in den Berliner Wedding ein. Dort wohnen Usch Schmitz und Kraft Wetzel, mit denen ich seit vielen Jahren befreundet bin. „Nirwana Events“, ihre kleine Agentur für spirituelle Veranstaltungen, hat lange das „Kino & Café am Ufer“ betrieben. Für die Kinoprogramm-Flyer habe ich damals alle zwei Monate das Titelbild gemacht, denn wir helfen uns gegenseitig so oft und so gut wir können. Es ist jedes Mal inspirierend, wenn wir gemeinsam in der Küche sitzen und über Gott und die Welt plaudern.

Vor ein paar Tagen zum Beispiel erzählte ich von dem ‚Aktionstag Paarshooting‘, den wir gerade für den diesjährigen Valentinstag vorbereiten. „Müssen sich die Paare dann alle nackt ausziehen?“, fragte mich Kraft entsetzt. Wie er denn auf diese Idee käme, wollte ich wissen, und Freund Kraft meinte: „Ich dachte immer, ‚Paarshooting‘ sei Aktfotographie.“ „Aber nein!“, rief ich entsetzt und fragte mich, wie viele meiner Kundinnen und Kunden wohl dieselbe Befürchtung haben.

Nur ein sehr kleiner Teil meiner Kundschaft möchte sich nackt fotografieren lassen. Vielleicht ca. 15%. Das sind meist Menschen, die großen Wert auf einen schönen Körper legen, vor allem ihren eigenen, die ein gutes Verhältnis zu sich selbst haben, die wertschätzen können und festhalten möchten, wie sehr es der Körper einem dankt, wenn man ihn gut pflegt. Diese körperbewussten Kundinnen und Kunden kommen zudem in der Regel allein. Sie lassen sich vor allem für ihren Liebsten, für ihre Liebste fotografieren.

Klar, wenn man so tolle Fotos von sich oder seinem Geliebten, seiner Geliebten hat, würde man die bestimmt gerne auch anderen Menschen zeigen. Und die jungen Leute tun das vielleicht sogar, zeigen ihre Aktaufnahmen auch vertrauten Freunden oder Freundinnen, keine Ahnung. Aber den Eltern, Oma und Opa, den Geschwistern und Anverwandten zu Weihnachten freizügige Bilder von sich schenken?! Nee, das geht gar nicht!

Die meisten Paare, die zum ‚Paarshooting‘ kommen, wünschen sich Porträtaufnahmen. Aber sie möchten ebenfalls etwas festhalten: ihr Glück nämlich. Ihr Glück, sich begegnet zu sein. Allen Freunden und Bekannten, allen Verwandten, der ganzen Welt möchten sie zurufen: „Seht, wie gut wir es getroffen haben! Wir sind im Paradies, wir sind in Liebe, wir haben uns gefunden!“

„Ohje“, seufzte Kraft, „das hört sich nach Stress an. Was machst Du denn, wenn die Leute total verspannt sind? Schließlich ist das ja ein ganz besonderer Moment: Du willst doch perfekt aussehen, wenn jetzt das Bild entsteht, vor dem in fünfzig Jahren noch Deine Enkel stehen und denken sollen: ‚Wow, so verliebt möcht‘ ich auch mal sein!‘ Was tust Du, um die Spannung aus der Situation zu nehmen? Hast Du irgendwelche Techniken, um die Leute zu beruhigen?“

Puh, Kraft! Was für Fragen!

Aber für heute ist mein Kopf leer.

Ich gehe jetzt heim zu meinem Süßen und lege mich ganz entspannt zu ihm auf die Couch. Vielleicht fällt mir dort ja eine gescheite Antwort ein …

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